Cranach im Gotischen Haus in Wörlitz

Ab 1773 ließ Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau ein Gärtnerhaus im Wörlitzer Park zu seinem privaten Wohnsitz umbauen – mit dem Gotischen Haus entstand das erste neogotische Bauwerk auf dem europäischen Festland. Zwölf Jahre später wurde ein Erweiterungsbau im englischen Tudorstil angefügt, dessen große Glasfronten die historische Glasgemäldesammlung des Fürsten wirkungsvoll präsentieren sollten. Im Haus fand ein Großteil der „altdeutschen“ Gemäldesammlung des Fürsten Platz, die auch 30 Gemälde aus den Cranach-Werkstätten enthielt. 

Im Rahmen der Landesausstellung Sachsen-Anhalt „Cranach der Jüngere 2015“ wurde der Versuch unternommen, die Hängung der Gemälde, wie sie der Fürst bestimmt hatte, zu rekonstruieren. Eine schwierige Aufgabe: Es gibt nur lückenhafte schriftliche Überlieferungen und nur wenige, unzureichende Fotos vom Zustand des Hauses vor 1918. Viele Gemälde sind darüber hinaus nicht mehr im Bestand des Gotischen Hauses. Einige existieren nur noch als Teil von alten Raumaufnahmen, von anderen gibt es außer ihren Maßen überhaupt keine Informationen mehr.

grundriss
Plan der Ausstellungsräume im Gotischen Haus. Bitte klicken Sie auf einen Raum.

 

Trotzdem gelang es, die Sinnzusammenhänge in der ursprünglichen Anordnung der Gemälde wieder aufzudecken und ein Raumgefüge des ausgehenden 18. Jahrhunderts zu rekonstruieren. 

Diese Rekonstruktion gibt Aufschluss über die Sammler-Intentionen des Fürsten - im Spannungsfeld der dynastischen Traditionspflege und der politischer Positionierung eines deutschen Kleinfürsten in gesellschaftlichen Umbruchzeiten.